Nachteilsausgleich
Ein Nachteilsausgleich sollte es Schüler:innen und Studierenden ermöglichen, sich entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten entwickeln zu können. Auch dann, wenn diese aufgrund individueller Beeinträchtigungen benachteiligt sind. Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gelten als solche Benachteiligungen.
Ein Nachteilsausgleich für Menschen mit LRS sollte in sämtlichen Fächern gewährt werden, in denen Inhalte erlesen oder Arbeiten schriftlich angefertigt werden. Damit erstreckt sich der Bedarf fast über den gesamten Fächerkanon. Dabei muss individuell festgestellt werden, welche exakten Maßnahmen angemessen sind. Neben dem Aussetzen einer Benotung gibt es diverse weitere Maßnahmen, die ich auf dieser Seite vorstellen möchte.
Mehr Zeit
Das Erlesen von Inhalten ist für Menschen mit LRS ein mühseliger Prozess. Auch die Anfertigung von Texten fällt ihnen erheblich schwerer.
Werden Aufgaben schriftlich gestellt, sind Menschen mit LRS benachteiligt, da sie sehr viel mehr Zeit in das Erlesen der Aufgabenstellung investieren müssen. Wenn darüber hinaus Lösungen schriftlich formuliert werden müssen, sind Menschen mit LRS doppelt benachteiligt.
Wenn Betroffene von den Folgen der LRS nur (noch) geringfügig beeinträchtigt werden, kann die Gewährung eines zusätzlichen Zeitkontingentes bereits ausreichen, um den Nachteil auszugleichen.
Einfache Sprache
Da sich Menschen mit LRS einen Text oft Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort erarbeiten müssen, stellen komplizierte Satzkonstruktionen eine besondere Herausforderung dar.
Schriftliche Aufgabenstellungen für Menschen mit LRS sollten in einfacher Sprache formuliert werden. In kurzen Sätzen. Unter Verwendung kurzer Wörter.
So haben Betroffene eine Chance, sich die einzelnen Wörter eines Satzes zu merken, um den ganzen Satz zu erfassen.
Serifenlose Schrift
Als Serife werden die Verzierungen bezeichnet, die sich bei manchen Schriftarten oft quer zu ihrer Grundrichtung an den Buchstaben befinden.
Durch Serife erhalten Buchstaben eine komplexere Form. Menschen mit Leseschwierigkeiten fällt es dann schwer, Buchstaben zu identifizieren.
Wenn Aufgabenstellungen erlesen werden müssen, kann die Verwendung einer serifenlosen Schrift mit sehr geringem Aufwand einen realen Nutzen bringen.
Größen und Abstände
Für Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten erfordert es große Anstrengung, sich Texte zu erlesen.
Wenn eine große Schriftart verwendet wird, ist es leichter, Wörter zu entziffern. Wird darüber hinaus auch ein großer Zeilenabstand gewählt, fällt es Betroffenen leichter, sich auf eine einzelne Zeile zu fokussieren.
Hören statt Lesen
Das Erlesen von Aufgabenstellungen kann für Menschen mit LRS ersetzt werden, indem diese erhört werden.
Aufgaben können zum Beispiel eingesprochen und mittels Köpfhörer abgespielt werden. Auch können sie von Lehrkräften oder didaktischen Mitarbeitenden vorgelesen werden.
Sprechen statt Schreiben
Menschen mit LRS fällt es schwer, komplexe Inhalte in Texten niederzuschreiben.
Ein Nachteilsausgleich könnte darin bestehen, auf die textuelle Ausarbeitung zu verzichten und stattdessen die Inhalte mündlich vorzutragen. Dies kann sowohl in Form einer mündlichen Prüfung als auch durch das Besprechen eines Diktiergeräts geschehen.
Bewertungsregeln
Bei der Benotung von Menschen mit LRS sollte sichergestellt werden, dass die Rückmeldung / Benotung der intellektuellen Leistungsfähigkeit der Schüler entspricht.
Bei den Bewertungsregeln sollte auf diese Tatsache Rücksicht genommen werden: So kann der Aspekt der Rechtschreibung aus der Benotung herausgenommen werden oder ausschließlich die Entwicklung der Richtigschreibung in die Bewertung einfließen.
Elektronische Hilfsmittel
Moderne Technik kann ein Segen für Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sein. Im Jahr 2024 kann Software
- Handschriften entziffern,
- Texte vorlesen,
- Texte im Diktat schreiben
- und Rechtschreibung und Grammatik prüfen.
Die Zulassung solcher Hilfsmittel kann in manchen Fällen einen angemessenen Nachteilsausgleich darstellen.